Am 5. November 2026 hat Ahrefs die vierte Version seiner Domain-Rating-Metrik angekündigt. Das neue Modell mit der offiziellen Bezeichnung DR4 soll am 1. Dezember 2026 die bisherige Version DR3 in der Ahrefs-Oberfläche ablösen.
Bis Dezember muss man allerdings nicht warten: Die DR4-Werte sind bereits über die kostenlose Ahrefs-API verfügbar.
Dabei handelt es sich nicht bloss um eine geringfügige Neuberechnung. Ahrefs verändert, welche Websites das Domain Rating beeinflussen können, bewertet Subdomains eigenständig und senkt die Werte von Websites, die mit Linkspam in Verbindung stehen, teilweise deutlich.
Da ich selbst ein Website-Verzeichnis betreibe und regelmässig mit SEO-Kennzahlen arbeite, finde ich dieses Update besonders interessant. Die Ankündigung enthält auch einige Hinweise darauf, wie der neue Algorithmus funktionieren könnte, obwohl Ahrefs die genaue Formel nicht veröffentlicht hat.
Was ändert sich mit DR4?
Das Domain Rating misst die relative Stärke des Backlinkprofils einer Website auf einer logarithmischen Skala von 0 bis 100. Es handelt sich um eine Kennzahl von Ahrefs, nicht um einen Google-Rankingfaktor.
Bei DR3 hängt die Berechnung hauptsächlich von der Stärke der verweisenden Domains, der Anzahl unterschiedlicher Domains, auf die diese verlinken, und der Verteilung der Linkautorität im Netzwerk ab.
DR4 bleibt eine auf Backlinks basierende Kennzahl, bringt aber mehrere wichtige Änderungen mit sich.
1. Deutlich weniger Websites mit Einfluss auf den Wert
Laut Ahrefs erhalten unter DR4 nur ungefähr halb so viele Websites einen Domain-Rating-Wert wie unter DR3.
Das Unternehmen erklärt, dass Links von Websites und einzelnen Subdomains mit geschätztem organischem Suchtraffic künftig stärker gewichtet werden.
Das ist vielleicht die interessanteste Änderung. Bisher konnte eine Website ein relativ hohes DR erreichen, obwohl sie in den organischen Google-Suchergebnissen kaum oder gar nicht sichtbar war.
Unter DR4 könnten solche Backlinks erheblich weniger Einfluss haben.
2. Subdomains werden eigenständig bewertet
Bislang haben viele Subdomains das Domain Rating ihrer übergeordneten Domain übernommen.
Eine kleine Website auf einer bekannten Hostingplattform konnte dadurch einen beeindruckenden Wert anzeigen, ohne selbst über ein entsprechend starkes Backlinkprofil zu verfügen.
DR4 geht dieses Problem an, indem einzelnen Hosts eigene Werte zugewiesen werden.
Einige von Ahrefs veröffentlichte Beispiele:
| Subdomain | DR3 | DR4 |
|---|---|---|
| help.ahrefs.com | 91 | 75 |
| play.google.com | 100 | 96 |
| blogs.microsoft.com | 96 | 87 |
| insights.samsung.com | 92 | 73 |
Bei kleinen Websites auf gemeinsam genutzten Publishingplattformen können die Unterschiede noch wesentlich grösser ausfallen.
Ahrefs zeigt sogar Beispiele von Subdomains, deren Wert von DR 92 auf nahezu null fällt.
Damit dürfte das Domain Rating bei der Bewertung von Backlinks aus gehosteten Blogs, kostenlosen Website-Baukästen und ähnlichen Diensten aussagekräftiger werden.
3. Die Bewertungen von Spam-Domains sinken
Laut Ahrefs verzeichneten als Spam eingestufte Domains mit bisherigen DR3-Werten zwischen 30 und 70 einen medianen Rückgang von ungefähr 15 bis 20 Punkten.
Websites, die nicht als Spam klassifiziert wurden, zeigten dagegen meist deutlich geringere Veränderungen.
Das deutet darauf hin, dass DR4 wesentlich weniger anfällig für künstlich aufgeblähte Backlinkprofile sein soll.
Erwähnenswert ist auch, dass Ahrefs im Januar 2026 eine auf maschinellem Lernen basierende Spam-Erkennung eingeführt und damit ein zuvor manuell gepflegtes System ersetzt hat.
Besonders interessant ist die mögliche Verbindung zwischen diesem Klassifikator und der neuen DR-Berechnung.
Wie könnte die neue DR4-Formel aussehen?
Ahrefs hat die mathematische Formel hinter DR4 nicht offengelegt. Die Ankündigung liefert jedoch genügend Anhaltspunkte für einige plausible Hypothesen.
Das sind meine eigenen Überlegungen, keine bestätigten Details des Algorithmus.
Organischer Traffic als Qualitätssignal
Der wichtigste Hinweis ist die Aussage, dass Links von Websites mit geschätztem organischem Suchtraffic nun stärker gewichtet werden.
Ein vereinfachtes, theoretisches Modell könnte etwa so aussehen:
Linkbeitrag ≈ Autorität der Quelle × trafficbasierte Gewichtung × Linkverteilungsfaktor
Die trafficbasierte Gewichtung ist hypothetisch. Ahrefs hat weder bestätigt, dass es einen solchen Multiplikator gibt, noch erklärt, wie er berechnet würde.
Das Grundprinzip erscheint dennoch plausibel.
Stellen wir uns zwei Websites mit identischen DR3-Werten und einer ähnlichen Anzahl verweisender Domains vor.
Die eine erhält regelmässig organischen Traffic über Google. Die andere hat trotz Tausender Backlinks fast keine organische Sichtbarkeit.
Im neuen Modell könnte die erste Website deutlich mehr Wert an die Websites weitergeben, auf die sie verlinkt.
Wichtig: Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Traffic das eigene DR einer Website direkt erhöht. Er könnte stattdessen beeinflussen, wie viel Autorität eine verlinkende Website weitergeben kann.
Dieser Unterschied ist entscheidend.
Eigenständige Linkgraphen für Subdomains
Die zweite wahrscheinliche Änderung betrifft den zugrunde liegenden Linkgraphen.
Bisher profitierten viele Subdomains faktisch von der Reputation ihrer übergeordneten Domains.
DR4 scheint einzelne Hosts unabhängiger voneinander zu bewerten.
Ein persönliches Projekt auf einer beliebten Plattform sollte beispielsweise nicht mehr automatisch vom riesigen Backlinkprofil der Hauptdomain profitieren.
Eine plausible Umsetzung wäre, geeignete Subdomains bei der Bewertung eingehender und ausgehender Links als eigenständige Knoten zu behandeln.
Das könnte auch erklären, warum bestimmte grosse Hosting-Domains deutlich an Punkten verlieren, während einige ihrer Subdomains weiterhin hohe Werte erzielen.
Wie Links zwischen einer Hauptdomain und ihren Subdomains genau behandelt werden, ist bislang nicht bekannt.
Spam-Erkennung könnte das Linkgewicht beeinflussen
Eine weitere plausible Möglichkeit ist, dass Ahrefs stärkere spambezogene Korrekturen in die Bewertung einbezieht.
Wird eine verlinkende Domain als Spam erkannt, könnte ihr Beitrag reduziert oder vollständig ausgeschlossen werden.
Ein theoretisches Modell könnte deshalb einen zusätzlichen Faktor enthalten:
Linkbeitrag ≈ Autorität der Quelle × Trafficgewichtung × Spam-Korrektur ÷ Verteilung ausgehender Links
Auch das ist nur eine veranschaulichende Formel und keine Rekonstruktion des proprietären Ahrefs-Algorithmus.
Die genaue Gewichtung, Normalisierung, Behandlung einzelner Links und die iterativen Berechnungsschritte sind unbekannt.
Dennoch deutet die Kombination aus trafficbezogener Gewichtung und niedrigeren Spam-Werten darauf hin, dass Ahrefs grosse Backlinknetzwerke nicht mehr einfach allein aufgrund ihrer Grösse belohnen möchte.
Eine Domain mit Tausenden schwacher oder künstlicher Backlinks könnte damit nicht mehr stärker erscheinen als eine kleinere Website mit einem tatsächlich wertvollen Backlinkprofil.
Korreliert DR4 stärker mit Google-Rankings?
Ahrefs hat das neue Modell anhand von Rankingdaten für 10 Millionen Domains und Hosts getestet.
Die Ergebnisse sind interessant, verdienen aber einen genaueren Blick.
Für die Korrelation mit der Anzahl der Top-10-Platzierungen bei Google veröffentlichte Ahrefs folgende Werte:
| Website-Gruppe | DR3 | DR4 |
|---|---|---|
| Alle Hosts | 0.140 | 0.359 |
| Hauptdomains | 0.407 | 0.304 |
| Subdomains | 0.172 | 0.259 |
Über alle Hosts hinweg zeigt DR4 eine deutlich stärkere Korrelation mit der Sichtbarkeit in den Suchergebnissen.
Allerdings gibt es ein wichtiges Detail: Betrachtet man nur Hauptdomains, korreliert DR3 tatsächlich stärker mit den Rankings als DR4.
Das kann man leicht übersehen.
Die Verbesserung fällt besonders deutlich aus, wenn Subdomains einbezogen werden. Das ist nachvollziehbar, denn das ältere Modell war hauptsächlich auf Hauptdomains ausgerichtet.
Der neue Ansatz könnte daher besser geeignet sein, unterschiedliche Arten von Websites zu vergleichen, ohne dass DR4 in jedem Szenario automatisch besser abschneidet als DR3.
Und Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Ein höheres Domain Rating verbessert nicht unmittelbar das Google-Ranking.
Wird Ihr Domain Rating steigen oder sinken?
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.
Unter den 1’000 Websites mit dem höchsten geschätzten organischen Traffic im Datensatz von Ahrefs:
- 64,3% erhielten einen höheren DR4-Wert.
- 15,8% blieben unverändert.
- 19,9% erhielten einen niedrigeren Wert.
Selbst grosse, etablierte Websites können einige Punkte verlieren.
Bei Websites mit schwachen Backlinkprofilen, geringer organischer Sichtbarkeit oder verdächtigen Linkmustern könnten die Unterschiede grösser ausfallen.
Es wäre falsch, jeden Rückgang als Zeichen einer schlechter gewordenen Website zu interpretieren.
An der Website selbst muss sich überhaupt nichts geändert haben. Geändert haben sich das Bewertungssystem und die relative Gewichtung verschiedener Backlinkquellen.
Für SEO-Analysen entsteht dadurch ein weiteres praktisches Problem: historische Vergleiche.
Ein im November gemessener DR3-Wert von 45 und ein im Dezember gemessener DR4-Wert von 32 lassen sich nicht unmittelbar vergleichen, als wären beide nach derselben Methode berechnet worden.
Für Analysen und Reportings ist es daher deutlich hilfreicher, vorübergehend beide Werte aufzubewahren.
DR3 und DR4 sind bereits in AI Web Directory integriert
Da Ahrefs DR4 schon vor dem offiziellen Start über die API bereitstellt, habe ich die Unterstützung für beide Versionen bereits in meinem eigenen Projekt implementiert: AI Web Directory.
Das Verzeichnis zeigt nun DRv3 und DRv4 nebeneinander auf den einzelnen Website-Seiten an.
So lassen sich die bisherigen und die neuen Werte direkt vergleichen, ohne zwischen verschiedenen Tools wechseln oder bis zum 1. Dezember warten zu müssen.
AI Web Directory zeigt beide Versionen des Ahrefs Domain Rating gleichzeitig an und macht Unterschiede auf einen Blick erkennbar.
Die Integration nutzt die Ahrefs Domain Rating API. Dort ist aktuell DR3 der Standardwert; das neue Modell lässt sich über den Parameter version=dr4 abfragen.
Aus Entwicklersicht halte ich es für wichtig, beide Werte zu behalten. Würde ich den alten Wert sofort überschreiben, ginge eine nützliche Vergleichsgrundlage verloren.
Ausserdem bietet das die Möglichkeit zu untersuchen, wie unterschiedliche Kategorien von Websites auf die neue Berechnung reagieren: etablierte Projekte, kleinere Websites, Subdomains und Domains mit geringer organischer Sichtbarkeit.
Das öffentliche Verzeichnis auf aiwebdir.com bietet eine praktische Möglichkeit, diese Unterschiede selbst zu erkunden.
Mehr als nur Zahlen
Ich halte DR4 für eine der bedeutenderen Änderungen an der Domain-Rating-Metrik von Ahrefs.
Die eigenständige Bewertung von Subdomains ist eine längst überfällige Verbesserung. Auch der geringere Einfluss von Websites ohne nennenswerte organische Sichtbarkeit könnte die Kennzahl für die Bewertung potenzieller Backlinkquellen nützlicher machen.
Am spannendsten ist jedoch, was Ahrefs bisher nicht verraten hat.
Wie stark beeinflusst geschätzter organischer Traffic den Beitrag einer verlinkenden Domain? Wie fliessen Spam-Klassifizierungen in die Berechnung ein? Und wie verteilt die neue Bewertung auf Host-Ebene die Autorität im Web?
Die Antworten kennen wir noch nicht.
Ich gehe davon aus, dass DR4 bestimmte Arten künstlich aufgeblähter Domain Ratings deutlich schwerer aufrechterhaltbar macht. Vollständig verhindern wird die neue Methode Manipulationen aber sicher nicht.
Derzeit ist es am sinnvollsten, beide Versionen zu vergleichen, statt eine der beiden Zahlen als absolutes Mass für die Qualität einer Website zu betrachten.
DR4 wird am 1. Dezember 2026 zum standardmässigen Ahrefs-Rating. Der Vergleich kann aber schon heute beginnen.
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